Nachmittag

Die Arbeit „Nachmittag“, deren Entstehung von der leeren Leinwand bis zur detaillierten Fertigstellung des Bildes im Netz durch täglich 2-3 Fotos dokumentiert wird, hat die Maße 600 x 330cm. Der Abschluss der Arbeit ist für 2017 geplant.


vorm Vorstufe Der „Nachmittag“ ist Teil einer bildnerischen Umsetzung eines idealisierten Arbeitstages, der sich über ein gesamtes Leben erstreckt und in 5 Etappen eingeteilt ist: Der „Morgen“ (600 x 600cm) wurde noch zu Studienzeiten begonnen (1988-1991), es folgte der „Vormittag“ (600 x 330cm), der die ersten Jahre nach dem Studium begleitete (1992-1995), dann der „Mittag“ auf 8 Tafeln (je 200 x 300cm), die in eine mittlere Lebensphase überleiteten (1995-2000). Nun, nach einer fast 10-jährigen arbeitsreichen Pause wird der „Nachmittag“ (im gleichen Format wie der „Vormittag“) die Wandlung eines mittleren in einen späteren Lebensabschnitt beschreiben, in dem noch nicht die „Summe“ eines Lebens gezogen wird, aber schon eine „Ernte“ beginnt. Anschließend ist als letzte Etappe der „Abend“ geplant, der wiederum in Parallele zum „Mittag“ auf 8 Tafeln (je 200 x 300cm) den Tag in eine Dämmerung übergehen lässt, die ihn schließlich beendet. Die „Nacht“ als die Verbindungsstelle vom einen Morgen zum nächsten Morgen im Sinn eines Kreislaufs der Zeit statt einer unumkehrbaren Aufeinanderfolge charakteristischer Phasen wird nicht eigens umgesetzt, sondern soll in jeder der einzelnen Tageszeiten auf eine jeweils eigene Weise mit thematisiert sein.

Alle 5 Phasen des Arbeitstages oder Arbeitslebens sind durch ein System von jeweils 24 Figuren (nach der willkürlichen Einteilung eines Tages in 24 Stunden) miteinander verbunden: Im „Morgen“ vermehren sich mit der Konstruktion einer achtblättrigen Zirkelblume jeweils eine Figur pro Blatt und Strahl mit der Zahl 3 (für eine Unterteilung des Tages „ohne Übergänge“: Morgen – Mittag – Abend) zu je 24 Figuren, die in jedem Achtel des Kreises auf dem äußersten konzentrischen Kreis der Konstruktion erscheinen, also insgesamt 8 x 24 Figuren. Im „Vormittag“ sodann sind die 24 Figuren eines Morgenstrahls gleichsam auf der Erde angekommen und verteilen sich gemäß 24 rudimentär unterschiedener Betätigungsfelder in einer zentralistischen und horizontal ausgerichteten Architektur. Im darauf folgenden „Mittag“ verteilen sich die 24 Figuren in Dreiergruppen (je eine weibliche und zwei männliche Figuren) auf insgesamt 8 Bildern in verschiedenen, typologisch voneinander abgegrenzten Innen- und Außenraumszenerien.

Der „Nachmittag“ versammelt die 24 Figuren gemäß dem Schema des „Vormittages“ wieder in einer einzigen Szenerie, die jetzt nicht mehr als die Addition scheinbar unabhängiger Einzelhandlungen erscheint, sondern alle Figuren ziehen bildlich und wörtlich an einem Strang: Dieser Strang ist in der Mitte des Bildes zu einem Knoten verflochten, von dem aus 4 Enden gemäß der Einteilung der Himmelsrichtungen in 4 entgegengesetzte Seiten des Bildes führen. An jedem der 4 Seilstücke ziehen jeweils 6 Figuren (3 männliche, 3 weibliche), als befänden sie sich in einem sportlichen Wettkampf des „Seilziehens“. Relikte der vormittäglichen Handlungsversuche und Erinnerungen an die kritischen Augenblicke der mittäglichen Verwicklungen versetzen die 4 Wettkampfgruppen während ihres gespielten Gegeneinanders in ein dichtes Netz texthaltiger Bezüge. Kein Symbolismus ersetzt die kommunikativen Schleifen ihrer disparaten Gegenwart, um den Datenverlust ihrer freien Verbindungen zu begrenzen. Die unabgesprochene Verdopplung der Endenzahl des einen Knotens bleibt einer der konstruktiven Widersprüche, die schließlich der „Abend“ zu klären hat.